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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, August 2010

Monatspruch August 2010
Jesus Christus spricht: „Ihr urteilt, wie Menschen urteilen,
ich urteile über keinen.“ (Joh 8,15)

Vor vielleicht gerade einmal vier Wochen waren sie eingezogen. Die letzten Umzugskartons waren noch nicht einmal ausgepackt. Aber die Nachbarschaft war sich schon einig: „Die Frau taugt nichts.“ Von Tag zu Tag wurden die Geschichten, die man sich über sie erzählte, haarsträubender. „Die lässt die Wohnung verkommen. Die betrügt ihren Ehemann. Die vernachlässigt ihre Kinder.“ Niemand hätte mehr sagen können, was an diesen Geschichten tatsächlich wahr und was böser Phantasie entsprungen war. Niemand hätte mehr sagen können, wer mit diesen Geschichten begonnen und ob es dazu einen konkreten Anlass gegeben hatte. Aber danach fragte auch niemand. Das Urteil stand ja sowieso fest, wahrscheinlich schon von vorneherein: „Mit so einer wollen wir nichts zu tun haben. So eine gehört nicht in unsere gute Nachbarschaft.“

Menschliche Urteile sind oft so schnell gefällt und so unbarmherzig in ihren Auswirkungen. Es reichen manchmal kleinste Fehler, oft auch nur Meinungen, Gerüchte oder einfach persönliche Abneigungen und schon spricht der Richter in uns das unwiderrufliche Urteil und Menschen werden abgeurteilt, ausgegrenzt und Verachtung und Spott preisgegeben.

Jesus widerspricht. Er erfährt in seinem Leben am eigenen Leib, was es bedeutet, Vorurteilen ausgesetzt zu sein und aufgrund von falschen und unberechtigten Anschuldigungen erbarmungslos verurteilt zu werden. So machen es seine Gegner mit ihm. Er selber aber urteilt anders. „Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen“, hält er den frommen Pharisäern entgegen. Jesus sieht Menschen anders an, als die Pharisäer das tun, anders als wir das tun. Wenn Jesus Menschen anschaut, dann sieht er sie mit den Augen Gottes. Sein Urteil über Menschen ist darum auch kein Aburteilen oder Verdammen, es ist ein Urteil, das von der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen geprägt ist. Und selbst in den größten Übeltätern erkennt er immer noch die Möglichkeit zur Besserung, zur Lebensveränderung. Zöllner, Sünder, die Ausgestoßenen und Abgeurteilten der damaligen Gesellschaft, finden bei ihm so eine zweite Chance. Das Urteil Jesu ist anders als unser Urteil. Das menschliche Urteil legt Menschen auf ihre Fehler fest. Es grenzt aus, es zerstört Gemeinschaft. Jesu Urteil heilt. Es ermöglicht Veränderung und Versöhnung. Es macht ein besseres Miteinander möglich. Jesus lädt dazu ein, diese andere Art des Urteilens bei ihm zu lernen. Die Pharisäer lädt er ein, uns lädt er ein. Damit auch wir diese Kraft zur Versöhnung und zum Miteinander
erleben und leben lernen. Und das täte uns allen gut.


Gottes Segen!
Ihr Thomas Schrödter

 

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