Moers-Kapellen, Februar 2012
Da kamen die Jünger des Johannes zu Jesus und
sprachen: „Warum fasten wir und die Pharisäer
so viel und deine Jünger fasten nicht?“ (Matthäus 9,14)Liebe Gemeinde,
„Jeden Tag ein bisschen besser“, so wirbt eine namhafte Lebensmittelkette für die Qualität ihrer Angebote. Und fast scheint es so, als hätten viele Menschen sich dieses Wort zum Lebensmotto erkoren. Immer muss es weiter gehen und besser werden: Im Sport beim Training und beim Wettkampf, in der Schule bei Noten und Klassenarbeiten, in den beruflichen Erfolgsbilanzen. Hat man gerade etwas erreicht, dann muss es als nächstes überboten werden. Selten sind Menschen mit dem Erreichten zufrieden.„Die Skala nach oben ist immer offen. Jeder könnte besser, schneller, attraktiver sein“. „Mozart im Mutterbauch. Zweisprachige Kleinkinder. Abitur mit 16. Karrierekick statt Seelebaumeln. Und kaum ist man beruflich und familiär etabliert, heißt es fit bleiben, jung und schön und faltenfrei.“
Mit diesen Worten lädt die Aktion „7 Wochen ohne“ Menschen in der beginnenden Passionszeit ein, es gut genug sein zu lassen, und mit dem Gegebenen und Geschenkten zufrieden zu sein, sieben Fastenwochen lang.
„Ist das überhaupt eine Sache für evangelische Christen – das Fasten?“, werde ich mitunter gefragt.Über gesundheitliche Aspekte brauchen wir dabei ja nicht zu sprechen; aber ist das Fasten, der Verzicht an sich etwas, das mit dem Evangelium zusammenpasst? Jesus hielt es ja offensichtlich für seine Jünger nicht so wichtig, wie die Anfrage der Johannesjünger es deutlich werden lässt. Und Jesus hat gute Argumente: 1. Bei einer Hochzeit fastet man nicht. Und wenn also der Messias da ist, gibt es Anlass zu feiern, aber nicht zu fasten. Doch es werden noch Zeiten kommen, in denen Fasten angebracht ist. 2. Gottes Liebe erwirbt sich keiner dadurch, dass er versucht, besser zu sein oder als besser zu gelten, als andere. Das Ansinnen: „Ich faste zweimal die Woche und gebe den Zehnten, ichdanke dir Gott, dass ich nicht so bin wie die schlechten Menschen (Lk 18,12)“, schlägt fehl. Gerade darin besteht das Evangelium, dass Gottes Liebe uns ohne Voraussetzung gilt, aber dass es diese Liebe ist, die uns von Grund auf verändert.
Wie halten wir es nun also mit den Fasten? Gott braucht unser Fasten nicht. Und man kann auch ohne Fasten als Christenmensch leben. Aber uns kann es gut tun, aus dem tagtäglichen Kreislauf auszubrechen und uns auf wesentliche Dinge unseres Lebens zu besinnen, die sonst zu kurz kommen. Die diesjährige Aktion„7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz“ lädt dazu mit sieben Themenwochen ein:
1. Woche: Groß genug – Die eigenen Grenzen kennen,
2. Woche: Versorgt genug – Den Mangel nicht fürchten,
3. Woche: Begabt genug? Nicht alles – allein – können müssen,
4. Woche: Fromm genug? Aus der Mitte des Herzens glauben,
5. Woche: Tüchtig genug? Sich nicht im Alltäglichen verlieren,
6. Woche: Fehlerlos genug? Mit sich und anderen gnädig sein,
7. Woche: Erlöst genug? Den Glauben als Geschenk annehmen.
Ich werde dieses Jahr mitmachen bei „7 Wochen ohne“ und bin auf die Erfahrungen gespannt.
Es grüßt Sie herzlich Ihr Kurt Heyser, Pfarrer
P.S. Information über die Fastenaktion unter:
www.7-wochen-ohne.de
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