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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, Februar 2010

Jahreslosung 2010:
Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott
und glaubt an mich! (Johannes 14,1)

Liebe Gemeinde,

die Vorstellung ist erschreckend, auf einmal mit einem unübersichtlichen Berg von Aufgaben und Schwierigkeiten allein dazustehen. Da ist die Mutter, die alles immer geregelt hat, den Haushalt gemacht, Essen gekocht, Wäsche gewaschen, Versicherungsangelegenheiten geregelt, bei den Schulaufgaben geholfen, die Rechnungen bezahlt, die Großmutter gepflegt. Und auf einmal kann sie nicht mehr, weil sie selber erkrankt ist. Krankenhaus und mehrwöchige Reha stehen an. Und die Familie fragt sich: „Wie sollen das bloß weitergehen, wenn sie weg ist? Wir wissen doch gar nicht, wie wir das machen können!“

Da ist das neue Jahr 2010 - nun schon einige Tage alt - mit vielen Altlasten aus den Vorjahren: die wirtschaftliche Gesamtlage und die Haushalte von Staat, Land und Kommune sehen eher betrüblich aus; für drängende Probleme wie Weltklima, die Ausbreitung von Gewalt und Hass und auch den ungebrochenen Bereicherungsegoismus gibt es zwar viele Konferenzen aber offensichtlich keine wirksame Lösungsbereitschaft. Und neben den allgemeinen Be-fürchtungen mag manch einem noch Schweres im persönlichen Bereich vor Augen stehen und das Gefühl, dem allen nicht gewachsen zu sein.

Noch bestürzender war wohl das Erschrecken der Jünger Jesu. Gerade hatte das mit dem Reich Gottes so richtig Fahrt aufgenommen. Jesus hatte gepredigt und geheilt. Die Menschen hatten die Botschaft von Gottes Liebe und Erbarmen vernommen. Auf Jesus hatten sie alle ihre Hoffnung gesetzt. „Solange Jesus bei uns ist, kann uns nichts geschehen“, so hatten sie gedacht. Da platzte Jesus mit seiner Abschiedsrede in die Runde. „Ich werde in Kürze nicht mehr bei euch sein“, kündigte er an. Von seinem Tod war die Rede. Da kamen die Jünger sich vor, als wäre ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen. Sie wollten und sie konnten Jesus nicht loslassen. Denn, das war ihnen völlig klar: ohne Jesus war alles verloren. An IHM hing doch alles. Ohne Jesus wäre alles sinnlos.

Da machte Jesus ihnen Mut: „Euer Herz erschrecke nicht!“ Und dann sagte Jesus das Lösungswort, das unser Erschrecken auffängt:„Glaubt an Gott, das heißt: glaubt an mich, vertraut mir.“

Dem Gefühl des „Verlassen-Seins“ setzt Jesus das Gefühl des „Sich-Verlassen-Könnens“ gegenüber. Auf der einen Seite können wir Gott vertrauen, dass wir nicht verlassen sind, auch wenn Jesus nicht jederzeit für uns greifbar ist und uns auch nicht einfach alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt. Doch Jesus geht ja seinen Weg, verlässt die Jünger, eben damit kein einziger Mensch mehr von Gott verlassen sein muss. Er geht uns den Weg voran, damit wir folgen können. Er bahnt uns den Weg in eine Zukunft von Geborgenheit und Liebe. Es gibt einen Weg, auch wenn wir ihn nicht sehen. Und Jesus hinterlässt Wegmarken und Spuren, die uns zeigen, wo es lang geht.

Und umgekehrt vertraut Jesus seinen Jüngern und denen, die auf ihn hören mögen. Er weiß, dass Gottes Liebe dort brennt und lebendig bleibt, wo Menschen ihm vertrauen. Und er weiß, dass wir so von Gottes Kraft getragen mit mutigem Herzen unser Leben in die Hand nehmen können und für die Gestaltung eines menschlichen Miteinanders eintreten werden.

Ihnen und mir wünsche ich jeden Tag solch
befreienden Glauben.
Ihr Kurt Heyser