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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, November 2009

Monatsspruch Dezember 2009
Gott spricht: „Ich will euch erlösen, dass ihr ein Segen sein sollt.
Fürchtet euch nur nicht und stärkt eure Hände!“

(Sacharja 8,13)

Liebe Gemeinde,

„Ich weiß nicht, irgendwie hat ja alles doch keinen Zweck!“, sagt der junge Mann. Nach dem Ende des Gottesdienstes in der kleinen Kapelle der Justizvollzugsanstalt kamen wir miteinander ins Gespräch. Er beginnt, von seinem Leben zu erzählen: Davon, wie er aufwuchs in einer Familie, in der es einen großen Fernseher und viel Bier gab, aber oft nicht genug zu essen für die Kinder. Davon, wie der Vater ihn schlug, als Strafe, wenn er wieder mal etwas angestellt hatte, oder manchmal auch nur einfach so. Von falschen Freunden, bei denen er sich trotzdem verstanden fühlte, weil sie Ähnliches erlebt hatten. Auch über Diebstähle redet er, Überfälle, Körperverletzung – Knast. Über den Versuch, sich mithilfe von Drogen die bittere Realität vom Leibe zu halten, nur um sich nach dem Trip noch tiefer im Dreck wieder zu finden.

So erzählt er seine Geschichte. Es ist eine Geschichte ohne Happy - End. Sein Blick nach vorne zeigt kein „Licht am Ende des Tunnels“, sondern nur noch weitere Dunkelheit. Weil er selber nie gelernt hat, wie Leben anders geht. Und weil die Gesellschaft „so einem“ auch keine zweite Chance gibt. Vielleicht einem, der unglücklich in Not geraten ist, aber nie einem, der „selber schuld“ ist.

„Hat ja alles doch keinen Zweck!“ Ein trauriges Resümee über ein junges Leben. Ich schaue ihn an: In der Tat, was bleibt einem Menschen denn in solch einer Situation außer Resignation? Dann fällt mein Blick auf die Kerze, die in der Adventszeit auch in dieser kleinen Knast-Kapelle brennt. Ein lächerlich winziges Licht in einer Umgebung, die angefüllt ist mit Hoffnungslosigkeit. Und doch strahlt ihr Licht: „Dennoch!“, sagt es trotzig. Gottes Liebe strahlt so in die Trostlosigkeit hinein: „Ich will euch erlösen, dass ihr ein Segen sein sollt. Fürchtet euch nicht! Habt keine Angst. Es gibt ein Leben ohne Scheitern, ohne Gewalt, ohne Not, ohne Leid. Es gibt Erlösung. Auch für dich! Selbst, wenn du es im Moment kaum glauben kannst, weil du es in deinem Leben nirgendwo wirklich zu entdecken vermagst. Du kannst das Verkehrte hinter dir lassen und das Neue erleben. Vertraue mir!“

Das Kind in der Krippe, der Gott, der sich klein macht, weil seine Liebe ihn zu seinen Menschen treibt, ist die Gewähr dafür, dass es dieses andere Leben gibt. Für den jungen Mann da in dieser Kapelle, aber genau so für all die anderen, die seine Hoffnungslosigkeit teilen: für die trauernde Witwe, für den Mann, der sich vor der Arbeitslosigkeit fürchtet, für das Ehepaar, dessen Zusammenleben nur noch im Streit besteht, für den Kranken, dem die Ärzte keine Hoffnung mehr machen. „Dennoch! Auch für dich! Hab keine Angst! Vertraue darauf, dass Gott dich führen will. Stärke deine Hände und pack dein Leben neu an.“ „Ich will dich erlösen!“ – ein großes Wort. Oft so fern unserer Erfahrung, jenseits dessen, was sich uns in unserem Leben aufdrängt. Und doch: spürbare Wahrheit, der die Kraft innewohnt, ein ganzes Leben zu verändern.


Ihr
Thomas Schrödter