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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, Oktober 2009

Monatsspruch Oktober 2009
Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten
Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.

(Psalm 145,15.16)

Liebe Gemeinde,

am Erntedanktag danken wir Gott für alles, was uns zum Leben geschenkt ist. Dass wir Beschenkte sind, ist vielen gar nicht klar. Denn Vieles ist für uns einfach selbstverständlich: in den Supermärkten gefüllte Regale, frisch duftende Brötchen beim Bäcker, brutzelndes Fleisch auf dem Holzkohlegrill. Wir müssen nicht hungern. Selbstverständlich nicht. Selbstverständlich nicht?? Gott hat uns diese Erde anvertraut, dass wir von ihr leben sollen und können. Und Gott als den Urheber all dieser Gaben sollen wir nicht vergessen. Gott gibt uns Speise, und unsere Erde hat reichlich Güter für alle Menschen. Nur - wir tun uns schwer, sie so unter uns aufzuteilen, dass alle gesättigt werden. Ayamga ist eine 60jährige allein erziehende Großmutter in Burkina Faso. Jeden Tag arbeitet sie hart, weil sie für neun Kinder sorgen muss. Früher dachte sie, dass sie sich bei zwei Söhnen auf einen ruhigen Lebensabend freuen könnte. Doch der eine Sohn und beide
Schwiegertöchter sind früh gestorben, der andere Sohn ist in die Stadt gegangen. Ihr und ihren Enkeln geht es nicht gut. Aber die Gesundheitsstation, bei der sie früher kostenlos Hilfe bekamen, ist geschlossen. Der Staat musste sparen. Der Staat hat Schulden, im Westen.

Carolina, eine 32-jährige Bäuerin aus Peru, baut auf ihrem kleinen Feld Mais, Bohnen und Kohl an. Sie hat auch eine Ziege und ein paar Hühner. Alles, was die Familie nicht unbedingt zum Leben braucht, wird auf dem Markt verkauft, um Öl, Salz und Kerosin einzukaufen. Seit einiger Zeit bekommt sie für ihre Ernte immer weniger, aber die Kosten für alles andere, was sie auch zum Leben brauchen, steigen und sie kann es nicht mehr bezahlen.

Viele solcher Geschichten gäbe es zu erzählen, Geschichten von Mangel, von Angst und millionenfachen Sorgen: 963 Millionen Menschen hungern weltweit. „Aller Augen warten auf dich, Gott, dass du ihnen ihre Speise gibst!“ Ist Gott etwa dafür verantwortlich, dass nicht alle genug haben? Dass einer dem anderen das Brot weg nimmt oder ihm nichts übrig lässt, dafür kann Gott nichts, aber wir, die wir zuschauen oder wegschauen oder gar daran beteiligt sind. Milliarden
Euro für bankrotte Banken stehen im Handumdrehen bereit, aber für Hungernde wird um jeden Euro gefeilscht; da stimmt
etwas nicht und das kann auch nicht wohlgefällig sein.

Zum Segen werden uns Gottes Gaben erst, wenn wir sie wertschätzen, jeden Tag und nicht nur einmal im Jahr; und zum Segen werden uns Gottes Gaben, wenn wir diesen Segen weiter geben, so dass andere ebenfalls satt werden. Auch daran erinnern mich der Erntedanktag und dieser Psalm. In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes Erntedankfest,


Ihr Kurt Heyser