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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, August 2009

Monatsspruch September 2009
„Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht
leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über
dich und gebe dir Frieden.“ (4. Mose 6, 24-26)

Tims Träne trocknet schon wieder. Ein letztes Schniefen, dann ist sie schon gar nicht mehr zu sehen. Er hatte sie ja auch nur ganz heimlich geweint. Keiner sollte merken, dass die Schule ihm Angst machte. Dieses große, fremde Haus mit den vielen unbekannten Menschen. Aber auch wenn diese kleine Träne noch so heimlich Tims Wangen herunterkullerte, sie blieb nicht verborgen. Tims Opa hatte sie gesehen. Er war in die Knie gegangen, hatte seine schwere Hand auf Tims Kopf gelegt und ganz leise gesagt: „Ich weiß, du schaffst das. Ich bin ja bei dir.“ Gegen die Wärme der Hand und die Kraft dieser Worte konnte die Angst nicht bestehen. Tim spürte, wie er immer stärker wurde. Angst hatte er nun fast keine mehr. Denn er wusste: Auch wenn sein Opa nicht mit hineinkommen würde in dieses große, fremde Haus, seine Worte würden ihn begleiten und ihm helfen. Worte und Gesten können so etwas. Sie können Menschen trösten, stark machen. Sie können Menschen Hoffnung schenken. Wahrscheinlich haben wir alle auch selbst schon einmal die tröstende Kraft einer liebevollen Umarmung oder die Mut machende Stärke eines vertrauten Wortes gespürt. Genau wie Tim. Gesten und Worte haben diese Kraft. Ganz besonders, wenn es Gesten und Worte sind, die ihre Kraft nicht nur aus der Quelle menschlicher Nähe und Vertrautheit speisen, sondern deren Ursprung über das Menschliche hinausgeht. Deren Ursprung in Gott selber liegt. „Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Diese Sätze aus dem 4. Buch Mose sind solche besonderen, Kraft, Trost und Hoffnung spendenden Worte. Wenn uns Worte wie diese zugesprochen werden, wenn der Pfarrer am Schluss des Gottesdienstes segnend seine Hände erhebt oder auch wenn der Sohn leise betend die Hand auf den Kopf seiner kranken Mutter legt, dann sind solche Gesten und Worte eben weit mehr als nur aufgesagte Formeln: Sie sprechen Segen zu. Ja, sie sind Segen. Sie führen aus der Angst heraus, sie brechen die menschliche Begrenztheit auf. Sie machen Gottes Nähe erfahrbar und schenken so Sicherheit: „Gott begleitet mich. Er ist für mich da. Ich bin ihm wichtig. Und wenn mir etwas begegnet, das mir zu groß, zu schwer und vielleicht sogar unüberwindlich erscheint – er kennt den Weg dort hindurch.“ Worte und Gesten können soetwas: Sie vertreiben Tims Angst. Sie trocknen seine Tränen. Und unsere.

Gott segne Sie!
Ihr Thomas Schrödter