Moers-Kapellen, April 2009
Monatsspruch April 2009
„Gott hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und
seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben.“ (Kolosser 2,14)Das hätte wohl so mancher gern. Dass da jemand hingeht und einem seine Schulden einfach so wegstreicht. Vor allem jetzt in diesen Tagen der internationalen Finanzkrise könnte man als Manager von so etwas nur träumen. So manche Finanzspritze von offizieller Seite hätte sich so erledigt. Man könnte dann die Fehler der Vergangenheit getrost hinter sich lassen und stattdessen wieder den Blick auf eine gute Gestaltung der Zukunft richten. Aber das bleibt ein schöner Traum. So funktioniert die Finanzwelt nicht. Nun, wir verstehen das. Bei uns zu Hause ist das ja auch nicht anders. Schulden werden nicht einfach so durchgestrichen: Dass der Nachbar einen Baum nicht ordentlich beschneidet, so dass immer wieder Laub auf unseren schönen Rasen fällt. Wie der eigentlich mal beste Freund einen damals im Stich gelassen hat. Dass die Übungsleiterin im Sportverein einen immer so komisch ansieht und bestimmt heimlich grinst, weil man beim Hundertmeterlauf wieder einmal als Letzte über die Ziellinie kommt. Solche Dinge stehen auf unserem privaten Schuldenzettel. Den heben wir gut auf und immer wieder wird er herausgeholt und vorgelesen: „Damals hast du…“. Nichts wird da gestrichen, nichts wird da vergessen. Nichts wird da vergeben.
Obwohl es vielleicht für alle Beteiligten besser wäre. Heilsam. Für den, der etwas verkehrt gemacht hat. Aber auch für den, der vielleicht schon über Jahre seine innere Verletztheit, seine Kränkung, seine Enttäuschung mit sich herumträgt. Vielleicht täte es ja beiden gut, einen Schlussstrich zu ziehen und den Blick wieder freizubekommen für das, was in der Zukunft liegt.
Übrigens: Gott kann das. Er streicht unseren Schuldschein durch, den wir bei ihm haben, auf dem eigentlich all unsere großen und kleinen Vergehen, unsere bekannten und heimlichen Sünden zu stehen hätten. Denn was bei uns falsch läuft, sieht er genau. Da wird nichts verharmlost.
Und doch: Er streicht all das durch. Vergibt. Durch Jesus, durch das, was er getan, gelebt, gelitten hat. Gott zieht einen Schlussstrich, räumt den Blick frei für eine bessere Zukunft in einem besseren Miteinander. Schade: Das geht in der Finanzwelt nicht.
Schade: Meist geht es auch bei uns nicht. Aber wir sind da lernfähig!
Ihr Thomas Schrödter