Moers-Kapellen, Oktober 2008
Monatsspruch Oktober 2008
„Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen.“ Psalm 65,9
Man ist ja immer wieder erstaunt, was es alles gibt. Neulich stieß ich auf einen Bericht über „Lach-Seminare“. Mit Karneval oder Comedy hat das nichts zu tun. In diesen Seminaren treffen sich Menschen, um laut und offen miteinander zu lachen und dabei zu erfahren, wie befreiend und stärkend es sein kann, gemeinsam fröhlich zu sein. Lachen als Therapie, gewissermaßen.
Nun, ich bin ein „Lach-Seminar-Laie“ und mag darum nicht beurteilen, ob diese Art der Therapie wirklich Erfolg versprechend ist oder nicht. Ich bin mir aber sicher, dass die gemeinsame, ausgelassene Fröhlichkeit in der Tat ein großes Geschenk Gottes ist. manchmal macht das Christentum nach außen hin einen anderen Eindruck. Da scheint manchmal die Regel zu gelten: „Je ernster ich bin und je düsterer ich schaue, desto frömmer bin ich!“
Und doch: Das ausgelassene Spiel der Kinder, das fröhliche Singen im Seniorenkreis, der Tanz auf dem Gemeindefest. All das sind Geschenke Gottes. Der Psalm 65 macht das deutlich und er dankt und preist Gott für dieses Geschenk: „Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen.“
Allerdings ist diese tiefe, von Gott geschenkte Fröhlichkeit dann doch meilenweit von dem entfernt, was uns manchmal als „Fröhlichkeit“ verkauft wird. Sie hat nichts zu tun mit grölend-lärmenden Mallorca-Partys, der aufgesetzten, betäubenden Zwangsbespaßung einer sinnleeren Abendshow im Privatfernsehen oder der verletzenden Schadenfreude eines Stefan Raab. Diese Fröhlichkeit, von der der Psalm spricht, hat andere Wurzeln. Statt in der Schadenfreude wurzelt sie im Miteinander. Statt sich zu betäuben sieht sie genau hin und freut sich an den Geschenken, die Gott einem im Leben macht. Statt sich über andere lustig zu machen, freut sie sich am Gegenüber: Man lacht miteinander, nicht übereinander. Und weil man nicht miteinander fröhlich sein kann, wenn das Gegenüber ungerecht behandelt wird, leidet oder hungert, führt diese von Gott geschenkte Fröhlichkeit Menschen zueinander und hilft ihnen, gerecht und in Frieden miteinander zu leben. Und das ist wirklich ein wunderbares Geschenk Gottes.
In diesem Sinne – mit fröhlichen Grüßen
Thomas Schrödter
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