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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, Oktober 2007

Liebe Gemeinde,

Eigentlich ist Peter ein netter Mensch. Er ist höflich, grüßt immer freundlich. Noch nie hat jemand erlebt, dass er böse oder aggressiv geworden wäre. Im Gegenteil. Peter ist eine Seele von Mensch. Nur, wenn Peter in sein Auto steigt, dann verwandelt er sich. Er wird ein anderer. Er fährt zu schnell, drängelt, quietscht um jede Kurve, kurz: Aus dem netten, freundlichen Menschen wird ein rücksichtsloser Rüpel. Jeder, der ihn kennt, weiß das. Und keiner mag mit ihm fahren. Nur Peter selbst weiß das nicht. Er selbst bezeichnet seine Art, Auto zu fahren, als „sportlich“. Das Rasen nennt er „dem Verkehrsfluss angepasst fahren“. Er drängelt nicht,
sagt er. Er möchte nur den rücksichtslosen Sonntagsfahrern auf der Straße – und damit meint er eigentlich alle anderen Autofahrer – zeigen, dass sie ihn nicht dauernd so ausbremsen können. Für jede Rücksichtslosigkeit, für jedes Fehlverhalten hat er eine entsprechende Erklärung. Nur, dass er selber etwas falsch machen könnte, das kommt ihm nicht in den Sinn. Das kann er sich einfach nicht vorstellen.

Menschen tun sich eben schwer, wenn es um die eigenen Fehler geht. Es ist so leicht, die Fehler anderer zu bemerken – beim Autofahren, aber auch in ganz anderen Situationen: im Büro, in der Familie, im Sportverein, in der Gemeinde... Schließlich geschieht es überall, wo Menschen miteinander zu tun bekommen, dass sie Fehler machen, einander Unrecht tun, aneinander schuldig werden. Es ist so leicht, die Fehler anderer zu bemerken. Aber es ist oft unendlich schwer, seine eigenen Fehler, seine eigene Schuld zu erkennen. Wie Peter, der seine Raserei für eine sportliche Fahrweise hält, finden wir für das, was uns so jeden Tag an Verkehrtem und Falschem passiert, immer gute Erklärungen. Ausreden. Wir erklären uns unser Handeln schön, auch wenn es eigentlich ganz und gar nicht schön ist.

Der Monatsspruch aus Psalm 19 lädt uns ein, anders mit unserer Schuld umzugehen. Offen, ehrlich sich selbst gegenüber. Nicht sofort alles wegerklären. Nicht alles schönreden. Nicht alles sofort anderen in die Schuhe schieben, sondern sich der Erkenntnis stellen:„Ja, ich mache Vieles falsch in meinem Leben. So manches Mal liegt es gerade an mir, dass Menschen traurig, verletzt oder enttäuscht sind. Nicht nur die anderen – auch ich selbst stecke tief in der Schuld.“ Diese Ehrlichkeit im Umgang mit der eigenen Schuld kann gelingen, weil wir wissen: Gott nimmt uns auch mit unseren Fehlern an. Er vergibt unsere Schuld und zeigt uns, wie es richtig gehen kann.

Seine eigenen Fehler bemerken, zu ihnen stehen, sie bekennen, dann mit dieser Schuld zu Gott gehen und bei ihm lernen, wie man es besser machen kann. Das ist der Weg, zu dem dieses Psalmwort einlädt. Vielleicht kommt ja auch Peter irgendwann dahinter.

Ihr Thomas Schrödter