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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, August 2007

Vom Aufgang der Sonne
bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des HERRN!

Das ist der Monatsspruch für den August 2007 und mit diesem Vers aus dem 113. Psalm grüße ich Sie herzlich!

Gott sei gelobt von früh bis spät! Aber sicher! So soll es sein! Denn Gott macht den Tag und alles,was in ihm geschieht. Vom Aufgang der Sonne an: Früh am Morgen, wenn die allermeisten Leute noch schlafen und ihre Träume noch gar nichts vom Klingeln des Weckers ahnen, wenn die Natur noch in Stille verweilt, in dem Augenblick, in dem der erste, ganz zarte Sonnenstrahl über den Rand der Erde hinweg streift, in diesem Moment soll das Lob beginnen, das Gott und seine Werke würdigt.

Und die Sonne zieht ihre Bahn am Himmel entlang und das Lob geht weiter, sei es für die Wärme des Tages oder für den Regen, sei es für die kleinste Kleinigkeit oder das Leben an sich: Das Lob erleuchtet den Tag ebenso, wie die Sonne es tut.

Und erst wenn der allerletzte Strahl der Sonne sich hinter dem Horizont verkrochen hat, dann legen sich die Menschen zur Nacht und sammeln aus Gottes Ruhe die Kraft: Kraft für den nächsten Tag.

Und so war der ganze Tag Lob. Lob Gottes, der ganze Tag war Gebet auf die verschiedenste Weise, der ganze Tag war Gottesdienst, in allen Formen und Arten, die man sich nur denken kann.VomAufgangbis zumNiedergang!

Aber mal pragmatisch: Wie soll das gehen. Vom Aufstehen bis zum Hinlegen nur Gott loben. Dafür müsste ich mir ja schon Urlaub nehmen. Und Essen und Einkaufen? Und wenn das Telefon klingelt? Der 113. Psalm macht es sich ganz schön einfach: „Gott sei
gelobt!“heißtes.„Lobet,ihr Knechte des HERREN!“ Ja, gerne, aber zwischendurch muss ich mich dann doch auch mal um was anderes kümmern. Der Psalm macht es sich einfach und mir schwer.

Es muss da eine Lösung geben. Denn auch der Mensch, der diesen Psalm geschrieben hat, der hat ja schon in demMoment,wo er mit seinem Schreibrohr auf das Pergament malte, nicht das getan, was er da schrieb. Da hat er geschrieben und nicht Gott gelobt.
Oder? Wie soll das gehen: loben und arbeiten zu gleich?

In der Tat wurde es lange als unmöglich angesehen, zu arbeiten und gleichzeitig Gott zu loben. „Ora et labora“: bete und arbeite war das Motto der Benediktiner- Mönche. Aber bitte nacheinander!

Oder es wurde ganz anders aufgeteilt: Die einen beteten, die anderen arbeiteten. Nebeneinander. Arbeitsteilung eben. Erst Martin Luther hat dann gesagt: So geht es nicht: Es können nicht die einen beten und die anderen doppelt arbeiten, damit die, die beten,
auch was zu essen haben. Der Mensch lebt ja auch nicht vom Wort allein. Und Luther hat deutlich gemacht, dass jeder Mensch mit dem, was er oder sie gerade macht, Gott loben soll. Gott loben während der Arbeit, mehr sogar: Gott loben mit der Arbeit. Meine Arbeit soll ich zum Wohle der Menschen und zum Lobe Gottes tun! Jeder Mensch macht an seinem Ort zu jeder Zeit etwas für die Welt Gottes und lobt Gott damit im selben Augenblick. Und das geht problemlos den ganzen Tag lang. Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Gelobt sei Gott, dass das auch geht!
Ihr Pfarrer z. A. Carsten Hilbrans