Moers-Kapellen, April 2007
Ob wir leben oder sterben, so gehören wir dem Herrn!“
(Röm 14,8 Monatsspruch April)Es ist schwer, hier zu stehen. An diesem Grab. Eine riesige Schar von Menschen ist gekommen. Alle sind erschüttert, tief betroffen. Gemeinsam tragen wir eine junge Frau zu Grabe, gerade 19 Jahre alt. Ich kannte sie noch als Konfirmandin. Ein kluges, spontanes, fröhliches Mädchen. Und nun, knapp fünf Jahre später, ist sie tot. Einfach weggerissen, mitten aus dem Leben, durch einen dummen, unnötigen Unfall. Wir alle stehen da und können es nicht begreifen. Ich schaue auf die verzweifelten Eltern und die in Tränen aufgelösten Freunde. Alle warten darauf, dass ich, als Pfarrer, etwas Tröstendes sage. Aber ich kann nur denken: „Wie kann das sein? Gott, warum musste das geschehen?“ Ich bin froh, dass ich meine Notizen habe, an denen ich mich jetzt festhalten kann. Langsam lese ich den Satz vor, den ich mir am Tag zuvor aus der Bibel abgeschrieben hatte: „Ob wir leben oder sterben, so gehören wir dem Herrn.“ Wir gehören dem Herrn! Nie könnte ich so etwas in einer solch bitteren Situation selber formulieren. Aber aus der Bibel heraus kann ich es mir sagen lassen, gemeinsam mit allen, die mit an diesem Grab stehen. „Wir gehören dem Herrn“. Immer. Im Leben, mit all seinen fröhlichen, aber gerade auch mit seinen traurigen Momenten. Und genauso auch im Sterben.
Jesus ist selbst den Weg in Leid, Verzweifelung und Tod gegangen, um uns in unseren dunklen Momenten nahe zu sein. „Ob wir leben oder sterben, so gehören wir dem Herrn.“ Es tut gut, sich in diesen dunklen Momenten der Traurigkeit diesen Gedanken wieder neu schenken zu lassen und darin eine Kraft zu entdecken, die sonst an diesem Grab wohl niemand hätte spüren können. In diesem Satz verbinden sich Leben und Tod zu einem großen Ganzen, das ganz und gar umschlossen und gehalten wird von der Kraft und Liebe Gottes. So schwer das, was wir in unserem Leben erfahren, auch werden kann. So sehr wir vielleicht trauern und alle unsere oft kleinen, manchmal auch größeren Rückschläge und Nöte erleben. Aus dieser Klammer der Liebe, mit der Gott uns umschließt, können wir nicht herausfallen. Nicht, wenn wir traurig sind. Nicht, wenn wir scheitern. Nicht einmal, wenn
wir sterben. Das Wissen um diese liebevolle Macht, mit der Gott unser Leben und Sterbenumschließt, gibt uns die Kraft, die wir brauchen, um auch in den dunkelsten Lebensmomenten nicht zu verzweifeln, sondern mutig, stark gemacht, gegen die Kraft des Bösen anzuhoffen.Ihr
Thomas Schrödter