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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, Februar 2007

Liebe Gemeinde,

„Guck mal, was die Geranien schön blüh’n!“, sagte die Tochter von Herrn N.N. zu ihrem Mann, „Das ist ja nicht mehr normal“. Ich stattete Herrn N.N. einen Neujahrsbesuch ab, seine Tochter und ihr Mann kamen kurz vorbei und wir schwatzten über dies und jenes, da durfte selbstverständlich auch das Wetter in diesem Winter nicht fehlen. Mit der Betonung, dass es wirklich etwas Besonderes ist, so warm und gar kein Frost, und dass die Bäume schon ausschlagen und natürlich: die Geranien.

Ich sah mir die Blumen etwas genauer an, dabei kamen mir die vielen Worte in den Sinn, die ich in der Adventszeit gehört hatte: dass bei diesem Wetter ja gar keine Weihnachtsstimmung aufkommen kann. Weihnachten hat viel mit Stimmung zu tun, mit der richtigen Atmosphäre. Was das Wetter angeht, ist die in diesem Winter gründlich ins Wasser gefallen. Weihnachten mit Schnee ist am Niederrhein ohnehin Legende, aber doch, wenn es kalt genug ist, reicht der Traum davon schon aus, für die richtige Stimmung. Wann wird’s mal wieder richtig Winter?

Aber neben der glitzernden Atmosphäre und dem Duft von Zimt und Glühwein ist Weihnachten ja auch noch etwas anderes. Eine Erinnerung daran, dass den Menschen, die in der Dunkelheit leben, ein Licht gebracht wird. „Das Volk, das im Finstern saß, hat ein großes Licht gesehen“, spricht Gott durch den Propheten Jesaja. Die im „Finstern“ sind immer die, die auf der Schattenseite leben, da wo kein Licht und keine Wärme hinkommen. Und für einige von ihnen ist der warme Winter ein Segen, denn sie können weiter arbeiten, während sie in anderen Jahren mit Beginn der Kälte entlassen wurden. Und diejenigen, die kein Dach über dem Kopf haben, die auf der Straße leben, haben es auch wärmer. Wenn Weihnachten 2006 für viele Obdachlose frei von der Angst des Erfrierens war, war es ein besonders schönes Fest mit einem ganz besonderen Geschenk: dem Wetter. Ja, ist es denn jetzt schon so weit, dass wir auch im Gemeindebrief übers Wetter lamentieren?

Nun, das Wetter ist ein wichtiges Thema in der Bibel, sind doch die Menschen im alten Israel ganz direkt von der Gunst der Natur abhängig gewesen. Gott schickt das Wetter über das Land. Die Dürre, den heißen Wind, den Regen, ganz selten auch Schnee. Gott ist der Herr der Naturgewalten, das ist für die Israeliten ganz selbstverständlich.

Ob wir heute glauben, dass Gott uns Menschen in Kapellen und Umgebung in diesem Dezember und Januar so warmes Wetter ganz absichtlich geschickt hat, oder ob nicht: In diesem Winter wird die Dunkelheit für viele Menschen nicht nur durch das Licht Jesu Christi erhellt, Gott lässt dazu sogar noch Blumen blühen! Auch wenn wir eher ungläubig und verwundert daneben stehen, als dass wir von der Blütenpracht ergriffen wären, ein Schmunzeln darf uns der Geranienstrauch allemal auf die Lippen zaubern. Und ob Sommer oder Winter: Eine Blüte kann ein Augenblick Freude sein, den wir nicht verachten sollten!

Mit vielen Grüßen,

Ihr Pfarrer z.A. Carsten Hilbrans