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Moers-Kapellen, Dezember 2006
Liebe Gemeinde,
frohe Botschaft klingt an, oder wie es auf Griechisch heißt Evangelium, erfreuliche Nachricht. Das Bildwort spricht mich sofort an. Ich habe Assoziationen wie: aus dem Vollen schöpfen, Freude erfahren. Eine Quelle ist mir vor Augen, die immer weiter sprudelt, nie versiegt und deren Wasser heilt: Und zwar schafft dieses Wasser nicht einfach nur einem Magenleiden oder irgendeiner anderen Unpässlichkeit Abhilfe, sondern macht uns ganz heil. Wunden schließen sich, Schmerzen verschwinden, Müdigkeit und Erschöpfung wandeln sich in Lebendigkeit. Doch wie finden wir zu dieser fast „märchenhaft“ anmutenden Lebensquelle?
Der Prophet beschreibt hier seine Gewissheit, dass Gott an uns Menschen handelt, dass Gott uns so verwandelt. Und Gott hat ja gehandelt. Gott hat die Quelle seiner nie versiegenden Liebe uns geöffnet. Daran denken wir gerade zu Beginn des Kirchenjahres. Aber haben wir alle auch den Zugang dazu?
Im Dezember letzten Jahres befragte das Münchener Jugendforschungsinstitut iconkids & jouth Kinder in ganz Deutschland zur Bedeutung von Weihnachten. Die Ergebnisse waren schon erstaunlich. Über ein Drittel (39%) der befragten 6-12jährigen in Deutschland wussten nicht genau zu sagen, warum Weihnachten gefeiert wird. In den neuen Bundesländern lag der Anteil sogar bei 54%. Davon lag die Hälfte der Kinder mit ihren Vermutungen komplett daneben.„Weil da der Weihnachtsmann gestorben ist“, „weil Winter ist“, „weil der Weihnachtsmann kommt“, „weil das schon immer so gemacht wurde“ waren die häufigsten Nennungen. Einige waren schon auf der richtigen Spur: „Hat das was mit Jesus zu tun?“ Manche Kinder verwechselten auch Ursache und Wirkung: „Weil es da tolle Sachen zu essen gibt“, „weil Ferien sind und die Oma kommt“ oder „damit die Geschäfte mehr verkaufen“. Und 9% der befragten Kinder glaubte auch, dass Weihnachten gefeiert wird, „damit es Geschenke für die Kinder gibt“.
Dafür, dass den Kindern der eigentliche Sinn von Weihnachten verloren gegangen ist, machte die Studie das vorweihnachtliche Dauerfeuer von Feiern, Werbung und Dekoration verantwortlich, dem die Kinder ausgesetzt sind. Ein Viertel der Kinder gab deshalb auch an, dass ihnen dieser ganze Weihnachtsrummel nicht gefällt. „Es nervt, dass schon Monate vor Weihnachten alles nach Weihnachten aussieht“. Lediglich die 6-7jährigen sehen das etwas anders: Hier wollen 30% sogar noch mehr Weihnachten erleben.
Selbstverständlich wird das bei unseren geschätzten Lesern ganz anders sein. Doch die Gefahr, dass das Wesentliche am Weihnachtsfest durch alle Planungen und Besorgungen, durch all das Drumherum überlagert wird, schwebt über uns allen.
Weihnachten, Fest der Menschwerdung Gottes, ist ein Zugang zu der wunderbaren Quelle, die der Prophet Jesaja beschreibt. Wir können uns erfüllen lassen von Gottes Liebe, von Zuversicht, von Hoffnung. Und die brauchen wir mehr denn je, Quellen des Heils. Daraus zu schöpfen, sind wir alle eingeladen. Nicht nur zur Advents- und Weihnachtszeit, aber gerade da auch.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Kurt Heyser