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Auf ein Wort

Moers-Kapellen, Oktober 2006

Liebe Gemeinde,

neulich saßen wir in einer netten Runde zusammen und haben geredet: Über unser Land, über die Gesellschaft, über die Benzinpreise, über die Steuern, über die Jugend von heute. Und es ging, wie das eben manchmal so geht, wenn man zusammensitzt und über Gott und die Welt redet: Man gerät ins Klagen. Einer fing damit an und schnell waren wir uns einig: „Das Benzin ist zu teuer, die Steuern sind zu hoch, die Gesellschaft ist zu träge, die Jugend ist zu frech...“ Alles schien irgendwie schief und schlecht zu sein. Beispiele dafür konnten wir genug nennen. Jeder, der halbwegs aufmerksam die Zeitung liest, ist mit negativen Stichworten ja bestens ausgestattet – von der Mehrwertsteuererhöhung bis zur Gesundheitsreform, von der Pisa-Studie bis zur Korruptionsaffäre. Auf das Klagen sind wir im Allgemeinen gut vorbereitet. Aber plötzlich sagte einer in der Runde: „Eigentlich sind wir doch gut dran. Wenn man es mit dem vergleicht, was unsere Großeltern erlebt haben oder was in vielen Ländern unserer Erde auch heute noch üblich ist, geht es uns doch hervorragend: Niemand muss hungern. Wir leben im Frieden. Niemand muss um sein Leben fürchten, wenn er seine politische Meinung sagt. Es gibt Schulen für unsere Kinder und eine Absicherung für das Alter. Mag sein, dass Vieles nicht so ist, wie man es sich im Idealfall wünschen würde - aber unser Leben ist so viel leichter als das Leben der meisten anderen Menschen auf dieser Welt. Wie kommt es, dass wir oft alles so schwarz sehen und so sehr klagen?“ „Vielleicht hängt es damit zusammen“, sagte schließlich ein anderer, „dass wir uns in unserem Denken so sehr an Dingen festmachen, die wir nicht haben, statt auf das zu schauen, was wir alles haben. Wir nehmen so Vieles einfach als selbstverständlich hin und vergessen dabei ganz, wie wunderbar es ist. Darum sind wir so reich beschenkt und halten uns doch für so arm.“

Der Monatsspruch für den Monat Oktober will uns aufmerksam machen, will unseren Blick für das Wunderbare schärfen, für den Reichtum, den wir in unserem Leben geschenkt bekommen. Er will uns vom Klagen wegführen und uns den Weg zum Danken aufzeigen. Er will unsere Aufmerksamkeit auf das lenken, was unser Leben gut und reich macht. Und auf den, dem wir das alles verdanken – Gott: „Du sorgst für das Land und tränkst es; du überschüttest es mit Reichtum.“ Wer sich so freuen kann über die Dinge, die Gott ihm schenkt, wer so danken lernt, wie viel mehr Freude und Sicherheit wird der in seinem Leben verspüren als derjenige, der immer nur auf das schaut, was ihm alles noch fehlt? Gott danken lernen heißt: Lebensfreude entdecken. Dahin will dieses Wort uns mitnehmen.

Ihr Thomas Schrödter